Die Berechnung der benötigten O₂-Flussrate basiert auf der Formel:
O₂-Flow = HF-Flow × (FiO₂ - 21) / 79
Diese Formel berücksichtigt, dass Umgebungsluft 21% Sauerstoff enthält und der restliche Anteil mit medizinischem Sauerstoff ergänzt wird.
Die High-Flow-Therapie (HFT) oder High-Flow-Nasal-Cannula (HFNC) ist eine nicht-invasive Sauerstofftherapie, die durch eine spezielle Nasenkanüle einen hohen Gasfluss mit erwärmtem, befeuchtetem Sauerstoff liefert. Sie wird oft als Alternative zu konventionellem Sauerstoff (Low-Flow) oder nicht-invasiver Beatmung (NIV) verwendet.
1. Mechanismus der High-Flow-Therapie
- Liefert hohe Flussraten von bis zu 60 l/min über eine beheizte, befeuchtete Nasenkanüle.
- FiO₂ kann reguliert werden (21–100%), unabhängig vom Atemmuster.
- Warme, feuchte Luft reduziert Atemwegswiderstand und Mucociliäre Dysfunktion.
2. Hauptvorteile gegenüber Low-Flow-Sauerstoff
- Bessere Oxygenierung durch hohe FiO₂ und Spülung des Totraums.
- Reduktion der Atemarbeit durch einen leichten PEEP-Effekt (Positive End-Expiratory Pressure).
- Befeuchtung schützt Schleimhäute und erleichtert Sekretmobilisation.
- Patientenkomfort ist höher als bei Masken oder CPAP.
3. Physiologische Wirkungen
- Verbesserung des alveolären Gasaustauschs durch CO₂-Auswaschung.
- Verringerung des Totraumvolumens in den oberen Atemwegen.
- Leichter PEEP (ca. 3–5 cmH₂O) stabilisiert die Lunge.
- Erleichterung der spontanen Atmung, da weniger Atemarbeit nötig ist.
4. Klinische Indikationen
- Hypoxämische respiratorische Insuffizienz (z. B. bei Pneumonie, ARDS).
- COPD-Exazerbationen, wenn NIV nicht toleriert wird.
- Postextubation zur Vermeidung einer erneuten Intubation.
- COVID-19 oder andere virale Pneumonien.
- Pädiatrische Patienten, z. B. mit Bronchiolitis oder Lungenentzündung.
5. Vergleich mit anderen Therapien
| Therapie | Flussrate | FiO₂-Kontrolle | PEEP | Sekretlösung | Patientenkomfort |
| Low-Flow-O₂ | 1–15 l/min | Gering | Nein | Nein | Mittel |
| High-Flow-Therapie | Bis zu 60 l/min | Hoch | 3–5 cmH₂O | Ja | Hoch |
| CPAP/BiPAP | 10–30 l/min | Hoch | 5–20 cmH₂O | Mittel | Niedrig |
6. Wichtige Parameter für die Therapieeinstellung
- Flussrate: Meist zwischen 30–50 l/min (je nach Toleranz).
- FiO₂: Initial hoch (z. B. 50–60%), dann titrieren.
- Temperatur: 34–37°C, um Komfort und Sekretlösung zu optimieren.
- Titration nach Atemfrequenz und SpO₂, nicht nur nach subjektivem Empfinden.
7. Grenzen und Kontraindikationen
- Nicht geeignet bei schwerer Hyperkapnie, wenn NIV notwendig wäre.
- Keine Unterstützung der Atemmechanik, falls der Patient sehr erschöpft ist.
- Bewusstlosigkeit oder Aspirationsgefahr sind Kontraindikationen.
- Kein Ersatz für invasive Beatmung bei ARDS, wenn Oxygenierung unzureichend bleibt.
8. Praktische Umsetzung
- Gute Passform der Nasenkanüle ist entscheidend.
- Regelmäßige Kontrolle von SpO₂ und Atemfrequenz zur Anpassung.
- Reevaluation nach 1–2 Stunden, ob Intubation nötig wird.
- Absetzen durch schrittweise Reduktion des Flusses, nicht abrupt.
Die hier berechneten Werte sind unverbindlich und dienen nur als Orientierung.
Vor der Anwendung muss die tatsächlich verabreichte FiO₂ am Highflow-Gerät überprüft werden.
Jegliche Verantwortung für Fehlanwendungen oder falsche Einstellungen wird ausgeschlossen.